Biografie
Behice Boran wurde am 1. Mai 1910 in Bursa geboren und zählt zu den bedeutendsten Akademikern, Soziologen und Politikern der Türkei. Sie stammt aus einer Familie tataren Herkunft aus Kazan und wanderte während des Befreiungskriegs mit ihrer Familie nach Istanbul aus.
Ihre schulische Ausbildung setzte Boran am Amerikanischen Mädchenkolleg in Arnavutköy fort, wo sie 1927 den mittleren Schulabschluss erlangte und 1931 als erste türkische Schülerin mit Auszeichnung das Abitur abschloss. Nach ihrer Rückkehr in die Türkei wurde sie als Dozentin am Institut für Sprach-, Geschichts- und Geographie an der Universität Ankara tätig. Im Jahr 1941 gründete sie die Zeitschriften „Yurt und Dünya“ sowie „Adımlar“, die jedoch 1944 eingestellt wurden.
Aufgrund ihrer politischen Überzeugungen wurde sie 1948 von der Universität entfernt. 1950 gründete sie die „Gesellschaft der Friedensfreunde“ und wurde zu 15 Monaten Haft verurteilt, weil sie eine Erklärung verfasst hatte, die die Entsendung türkischer Soldaten nach Korea unter der Regierung von Adnan Menderes kritisierte. 1962 trat sie der Türkei Arbeiterpartei (TİP) bei und wurde 1965 als Abgeordnete aus Şanlıurfa gewählt.
Im Jahr 1970 wurde Boran zur Generalsekretärin der TİP gewählt, jedoch wurde sie nach dem Militärputsch am 12. März 1971 festgenommen und zu 15 Jahren Haft verurteilt. 1974 wurde sie im Rahmen einer allgemeinen Amnestie freigelassen, gründete die TİP erneut und übernahm die Parteiführung.
Nach dem Militärputsch vom 12. September 1980 ging sie ins Exil und wurde 1981 die türkische Staatsangehörigkeit entzogen. Sie lebte sieben Jahre lang in Europa im Exil und bestand von der Flüchtlingshilfe.
Am 10. September 1987 verstarb sie im Alter von 77 Jahren in Brüssel. Ihre Beisetzung fand in Istanbul auf dem Friedhof Zincirlikuyu statt.